Es gibt ja immer wieder die Versuchung, so zu sein, wie die anderen. Es steckt tief in unseren Zellen, uns anzugleichen, anzupassen, so zu benehmen wie die anderen. In früheren Zeiten hat uns das geschützt, denn wer anders war, auffiel, wurde sehr leicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Und es gab diese Zeiten, in denen ein Mensch, der aus seinem Stamm geworfen wurde, alleine nicht überleben konnte.
Dieses Wissen und diese Angst tragen wir in unserem Zellgedächtnis, immer noch.

Noch dazu erlebten wir ja, besonders in den Zeiten der Pubertät, den Gruppendruck. Bei den Jugendlichen werden alle ausgelacht, die nicht cool genug sind, oder wie es jetzt heißt: „läuft bei dir“, also bei denen es nicht läuft, und gemeint ist natürlich, bei denen es nicht so läuft wie bei allen anderen.

Unser Wunsch, wir selbst zu sein, entsteht dann erst mit der Zeit. Und wir beginnen uns zu suchen, und zum Teil auch zu finden.
Doch gibt es ja da immer die Erfolgreicheren, die Liebenswerteren, die Tüchtigeren und die Schöneren bzw. besser Aussehenden und wir beginnen, uns zu vergleichen.
Vielleicht werde ich auch erfolgreicher, liebenswerter, usw. wenn ich bestimmte Dinge so mache, wie diese andere Person.

Im NLP lernt man das ja auch, andere zu modellieren, denn es heißt, was einer kann, kann ein anderer auch.
Doch vielleicht entspricht uns so ein Verhalten gar nicht? Führt es uns nur weg von uns selbst?

Es gibt ja diese wunderbare Landkarte des Human Designs, die uns zeigt, wer wir sind und wie wir gedacht sind für dieses Leben. Ich liebe sie, und nutze sie für meine Selbsterkenntnis und auch in meinem Coaching.
Doch ist das ja kein One Time Deal, einmal erkannt und schwupp! wissen wir total über uns Bescheid. Bei mir geht das in Schichten und ich erlebe es auch bei anderen so.

Es gibt auch noch andere Befürchtungen, die wir so haben, was passieren könnte, wenn wir ganz wir selbst sind.
Bei mir ist es die Angst, dass ich zu intensiv bin mit dem, was ich sage, bzw. frage. Und dann halte ich mich zurück. Bleibe an der Oberfläche. Und das frustriert mich dann, nimmt mir Kraft. Und so lerne ich, dass ich kein Mensch bin, der gerne an der Oberfläche verweilt, ich brauche Gespräche, die in die Tiefe gehen, Small Talk langweilt mich meistens (manchmal kann er ja auch ganz lustig sein, besonders, wenn er humorvoll ist).
Ich brauche es, dass Kommunikation auf einer persönlichen Ebene statt findet und sich nicht nur um Allgemeines dreht. Und somit ist die Frustration meine Lehrmeisterin.
Eine bessere Lehrmeisterin als die Angst. Denn ich weiß über mich, dass wenn Frustration aufkommt, dass ich irgendwo falsch unterwegs war. Und wenn ich das erkenne, habe ich wieder eine gute Chance, mich noch ein Stückchen besser kennen zu lernen.

So können bestimmte unangenehme Empfindungen, wie Frustration, Bitterkeit und Groll, Zorn und Enttäuschung gute Anzeiger dafür sein, dass wir nicht unserem Selbst entsprechend leben.
Die Angst eignet sich dafür auch, aber nicht so gut, denn Angst lähmt meistens eher.