Immer wieder lese ich, dass Menschen das beklagen, dass sie nicht gesehen werden, dass niemand weiß, wer sie tatsächlich sind, wie sie fühlen, was sie denken.
Woran kann das liegen?

Hier ein paar Gedanken von mir dazu, vielleicht sind sie für dich inspirierend?

Angst
Zunächst einmal liegt es vielleicht daran, dass wir uns gar nicht trauen, anderen Menschen die Wahrheit zu sagen. Wir denken vielleicht, dass wir uns anderen gar nicht zumuten können oder wir haben Angst, nicht mehr geliebt zu werden, wenn unser Gegenüber die ganze Wahrheit über uns erfahren würde.
Das kann soweit führen, dass wir selbst uns die Wahrheit vielleicht gar nicht mehr eingestehen. Aus der Befürchtung heraus, dass das nur zu Konflikten führen kann, wenn wir das, was in uns vorhanden ist, auch tatsächlich konfrontieren bzw. ausdrücken oder leben, vergraben wir so manches tief in uns.

Meistens sind solche Ängste unbegründet. Oft unterschätzen wir die Toleranz der Menschen um uns oder wir unterschätzen ihre Liebe.
Andrerseits könnte sich durch das Offenbaren unserer Wahrheit auch zeigen, dass die Menschen, die wir bisher als unsere Freunde gesehen haben, gar keine sind. Vielleicht ist es dann dran, sich zu verabschieden?

Es gibt Menschen, die sehr offen für die Emotionen anderer sind, sie spüren deren Aufregung und das kann ganz schön schmerzlich sein. Meistens haben sie als Kinder bereits gelernt, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, sie haben gelernt, wem sie Dinge besser nicht erzählen, da das oft zu Ausbrüchen geführt hat. Doch mit der Zeit erzählten sie weniger und weniger Menschen von sich.
Vom Human Design her gesehen, sind es oft Menschen mit einem offenen Emotionszentrum, die keine Konfrontation eingehen möchten, die gerne selbst die Wahrheit vermeiden, aber auch emotional Definierte sind davor nicht gefeit.

Ein heilsamer Satz dafür kann sein: „Ich mute mich der Welt zu.“

Nicht Selbst
Eine weitere Möglichkeit, nicht als die bzw. der gesehen zu werden, könnte daran liegen, dass wir gar nicht uns selbst leben. Wir sind konditioniert, von unseren Eltern, Freunden, der Gesellschaft. Es gibt Standards, die es zu erfüllen gilt. Wir wurden vieles glauben gemacht, wie wir uns zu benehmen und zu verhalten hätten. Und somit haben wir uns selbst verlassen und kennen uns nur noch ganz tief in uns drinnen.

Projektion
Jeder Mensch betrachtet die Welt durch verschiedene Filter. Das können solche sein, die irgendwann nützlich waren und vergessen wurden, beiseite geräumt zu werden, solche, die sich durch Glaubenssätze ergeben, andere wiederum durch Konditionierung, und mehr. Wenn jemand durch seine Filter derart blind wird, besteht natürlich wenig Möglichkeit, dass dieser Mensch dich so sieht, wie du wirklich bist.
Es hat also nicht immer mit uns selbst zu tun, wenn wir nicht gesehen werden.

Eine heilsame Frage kann sein: Kann ich etwas dazu beitragen, als der Mensch, der ich bin, gesehen zu werden?

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